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Kaufmann für Versicherungen und Finanzen

Vielseitige Ausbildung integriert beide Fachrichtungen: Versicherungen und Finanzen

Der Ausbildungsberuf Versicherungskaufmann wurde im August 2006 durch den Ausbildungsberuf zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzen abgelöst.

Berufsbild
Die Neuordnung des Kaufmann für Versicherungen und Finanzen modernisiert die bisherige Ausbildungsordnung Versicherungskaufmann und erweitert sie zugleich um Aspekte der Finanzberatung. Aktuellen Entwicklungen in der Branche folgend verstärkt die Neuordnung die Kunden- und Vertriebsorientierung, die Beratungs- und Verkaufskompetenz sowie die Produktkenntnisse insbesondere bei den Vorsorge und Finanzprodukten. Die Struktur des Ausbildungsberufes mit den beiden Fachrichtungen Versicherung und Finanzberatung sowie einer weiteren Differenzierung in Form von Wahlqualifikationseinheiten (in der Fachrichtung Versicherung) berücksichtigt ein breiteres Spektrum unterschiedlicher Unternehmensprofile und erhöht damit die Ausbildungsmöglichkeiten für die Unternehmen.


Aufgaben und Tätigkeiten im Einzelnen

Kaufleute für Versicherungen und Finanzen der Fachrichtung Versicherung haben hauptsächlich folgende Aufgaben:

  • Privat- und Gewerbekunden akquirieren, beraten und betreuen
  • Zielgruppen analysieren
  • Adressen potenzieller Neukunden aus Adress- und Telefonbüchern, Datenbanken oder durch Empfehlung beschaffen
  • Bestandskunden durch Adressbestand der Versicherung oder Versicherungsagentur analysieren
  • Kontakt aufnehmen (unter anderem durch Mailing, Besuch oder Telefon), Anfragen bearbeiten und gegebenenfalls weiterleiten (beispielsweise an den Außendienst)
  • geeignete Produkte auswählen, Verkaufsargumente entwickeln und einsetzen
  • persönliche Verkaufs- und Beratungsgespräche planen, durchführen und nachbereiten
  • individuellen Versicherungs-, Vorsorge- und Anlagebedarf der Kunden ermitteln, (versicherbare und nicht versicherbare) Risiken analysieren
  • Kunden Werbe- und Informationsmaterial zum gewünschten Versicherungszweig aushändigen
  • Tarife und Versicherungspakete erläutern
  • individuelle Leistungsangebote erstellen, günstige Angebote und Angebotskombinationen heraussuchen und präsentieren, dabei Unternehmens- und Produktratings berücksichtigen
  • mithilfe von Berechnungs- und Beratungsprogrammen die zu erwartende finanzielle Belastung des Kunden durch Versicherungsbeiträge berechnen, kundengerechte Angebote unterbreiten
  • Kunden über Versicherungsbedingungen wie Kündigungsfristen, Antragsrücknahme sowie über einkommensteuerrechtliche Regelungen informieren
  • Vertragsabschlussverhandlungen führen, dabei Rechtsgrundlagen und betriebliche Regelungen beachten
  • Versicherungsanträge entgegennehmen, auf Vollständigkeit prüfen und gegebenenfalls an den Innendienst weiterleiten, über Annahme und Ablehnung des jeweiligen Versicherungsantrags entscheiden
  • Versicherungsleistungen tarifieren, Versicherungsprämien berechnen und Versicherungsscheine ausstellen
  • Bestand pflegen, Verträge auf Möglichkeiten zur Optimierung und/oder zur Anpassung an geänderte Kundenanforderungen prüfen, gegebenenfalls Änderungen und/oder Beendigung bestehender Versicherungsverträge veranlassen und/oder bearbeiten
  • Beschwerden und Reklamationen entgegennehmen und prüfen
  • Informationen über geänderte Rechtsvorschriften und deren Auswirkungen auf das Versicherungswesen einholen
  • Schadens- und Leistungsfälle aufnehmen und bearbeiten
  • Schadensmeldungen und Unfallberichte entgegennehmen
  • Schadensakten anlegen, dabei formelle und materielle Deckung der Versicherungspolice sowie Leistungsansprüche dem Grund und der Höhe nach prüfen
  • gegebenenfalls weitere Ermittlungen einleiten (unter anderem amtliche Ermittlungsakten, Zeugenaussagen, Gutachten einholen) und Verhandlungen zur Schadens-/Leistungsregulierung führen
  • Versicherungsnehmer bei der Abwicklung von Leistungsansprüchen beraten, Schadenservice organisieren (wie Abschleppdienst bei Kfz-Unfall, Unfallaufnahme durch Polizei)
  • Entschädigungsleistungen berechnen und fällige Zahlungen anweisen
  • Kleinschäden begutachten, untersuchen, einschätzen und berechnen
  • bei Großschäden den technischen Außendienst der Versicherung und/oder Sachverständige hinzuziehen
  • Beschwerden, Reklamationen und Nachforderungen von Anspruchstellern sowie Regressfälle (Rückgriff auf Leistungspflichtige, wie bei grob fahrlässigem oder vorsätzlichem Verhalten) bearbeiten

Darüber hinaus führen sie auch folgende Tätigkeiten aus:

  • allgemeine kaufmännische und administrative Aufgaben im Innenbetrieb der Versicherungen erledigen
  • Abrechnungsarbeiten durchführen
  • Prämienrechnungen anfertigen und Zahlungseingänge überwachen
  • Kostenrechnungen und Statistiken erstellen
  • Controllingaufgaben erledigen
  • Marketingaktivitäten planen und durchführen
  • Informationen und statistische Daten beschaffen, aufbereiten und präsentieren
  • Versicherungsmärkte analysieren, Zielgruppen bestimmen
  • Marketinginstrumente zur Vermarktung der Produkte auswählen und einsetzen

 

Arbeitsbereiche/Branchen/Arbeitsorte
Hauptsächlich arbeiten Kaufleute für Versicherungen und Finanzen der Fachrichtung Versicherung bei Versicherungsgesellschaften und Kreditinstituten, als selbstständige Vermittler oder Berater und für größere Wirtschaftsunternehmen, dort beispielsweise in der Risiko- und Schadensbewertung. Im Innendienst gehen sie ihren Aufgaben in Büroräumen, die mit Computern ausgestattet sind, oder zu Hause nach. Im Außendienst suchen sie ihre Kunden in deren Privatwohnungen und Betrieben auf. Manchmal sind sie auch vor Ort, um Schäden selbst in Augenschein zu nehmen. Dabei sind sie meist mit dem Pkw unterwegs.

 


Ausbildungsinhalte


Im 1. Ausbildungsjahr lernen die Auszubildenden im Ausbildungsbetrieb beispielsweise:

  • welchen Nutzen Versicherungsprodukte für Privatkunden bringen und wie man kundengerechte Lösungsvorschläge entwickelt und bewertet
  • wie sie Kundenkontakte herstellen und vorhandene Kundenbeziehungen auf Verkaufschancen prüfen
  • welche Einflussfaktoren auf die Gestaltung von Versicherungs- und Finanzprodukten für unterschiedliche Kundengruppen wichtig sind
  • wie sie fehlende Kundendaten erheben und in Kundendatenbanken einpflegen
  • das Rechnungswesen als Instrument für die kaufmännische Steuerung und Kontrolle einzusetzen
  • Kunden über Maßnahmen zur Schadenverhütung zu beraten und Rechtsgrundlagen sowie betriebliche Regelungen bei der Schadenaufnahme anzuwenden
  • wie sie Maßnahmen zur Bestandspflege und Vertragserhaltung planen und durchführen

Im 2. Ausbildungsjahr wird den Auszubildenden unter anderem vermittelt:

  • wie sie den Kunden die Bedeutung der Produkte der gesetzlichen und betrieblichen Altersvorsorge erläutern und über Leistungen und Anspruchsvoraussetzungen der Sozialversicherung informieren
  • Möglichkeiten, die Kundensituation zu analysieren, den Bedarf festzustellen und kundengerechte Lösungsvorschläge zu entwickeln sowie Angebote zu unterbreiten
  • wie sie Rentabilitätsberechnungen durchführen und deren Ergebnisse bei Entscheidungen berücksichtigen
  • wie sie Kosten und Erträge von Versicherungsprodukten darstellen
  • im Rahmen des Controllings betriebsübliche Kennzahlen zu ermitteln sowie Statistiken aufzubauen und anzuwenden
  • welche Rechtsgrundlagen sie für Beratungs- und Verkaufsgespräche beachten müssen und wie sie Berechnungs- und Beratungsprogramme kundenorientiert einsetzen
  • wie sie das Beschwerdemanagement als Instrument zur Qualitätssicherung nutzen

Im fachrichtungsspezifischen 3. Ausbildungsjahr lernen die Auszubildenden schließlich:

  • wie man Schaden- und Leistungsfälle bearbeitet
  • wie der Schadenservice organisiert wird
  • wie man die formelle und die materielle Deckung prüft
  • welche gegenseitigen Rechte und Pflichten aus dem Ausbildungsvertrag entstehen
  • wie der Ausbildungsbetrieb organisiert ist
  • wie die Arbeitsschutz- und Unfallverhütungsvorschriften angewendet werden
  • welche Umweltschutzmaßnahmen zu beachten sind

In der Berufsschule sind folgende Lernfelder Gegenstand des theoretischen Unterrichts:

  • Übergreifend für alle Fachrichtungen:
  • Versicherungsverträge anbahnen
  • Kunden beim Abschluss von Hausratversicherungen beraten und Verträge bearbeiten
  • Kunden beim Abschluss von Wohngebäudeversicherungen beraten und Verträge bearbeiten
  • den Kapitalbedarf im Alter, bei Tod und Erwerbsminderung ermitteln und bei der Auswahl der Vorsorgemaßnahmen beraten
  • Verträge in der Lebens- und Unfallversicherung bearbeiten
  • Kunden über die Absicherung im Krankheits- und Pflegefall beraten
  • Privatkunden gegen Schadenersatzforderungen absichern und die Durchsetzung ihrer Rechte ermöglichen
  • Kunden beim Abschluss von Kraftfahrtversicherungen beraten und Verträge bearbeiten
  • in einer Versicherungsagentur arbeiten
  • eine Versicherungsagentur gründen und steuern
  • wirtschaftliche Einflüsse auf den Versicherungsmarkt analysieren und beurteilen
  • Kunden über Finanzprodukte informieren
  • Mitgestalten der Berufsausbildung und Vorbereitung auf die Rolle als Arbeitnehmer

Speziell in der Fachrichtung Versicherung:

  • Schaden- und Leistungsmanagement durchführen

 

Prüfungen

Zulassung zur Prüfung

Voraussetzungen für die Zulassung zur Abschlussprüfung bei einer Berufsausbildung in Betrieb und Berufsschule sind vorgeschriebene schriftliche Ausbildungsnachweise sowie die Teilnahme an vorgeschriebenen Zwischenprüfungen.

Zugelassen ist auch,

  • wer in einer berufsbildenden Schule oder sonstigen Berufsbildungseinrichtung ausgebildet worden ist. Dieser Bildungsgang muss allerdings der Berufsausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf entsprechen.
  • wer nachweist, dass er mindestens das Eineinhalbfache der Zeit, die als Ausbildungszeit vorgeschrieben ist, in dem Beruf tätig gewesen ist, in dem die Prüfung abgelegt werden soll.

 

Prüfungsinhalte

Zwischenprüfung

Um den Ausbildungsstand zu ermitteln, wird in der Mitte des zweiten Ausbildungsjahres eine schriftliche Zwischenprüfung durchgeführt.

Abschlussprüfung
Die Abschlussprüfung besteht aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil.

Der schriftliche Teil umfasst die Prüfungsbereiche Versicherungswirtschaft und Leistungsmanagement sowie Wirtschafts- und Sozialkunde.
Im Prüfungsbereich Versicherungswirtschaft und Leistungsmanagement bearbeiten die Prüfungsteilnehmer/innen in höchstens drei Stunden praxisbezogene Fälle oder Aufgaben.
Dabei kommen insbesondere folgende Themengebiete in Betracht:

  • Versicherungs- und Finanzprodukte
  • Vertragserhaltung und -service
  • Rechnungswesen und Controlling
  • Leistungsfeststellung und Schadenregulierung

Im Prüfungsbereich Wirtschafts- und Sozialkunde bearbeiten die Prüfungsteilnehmer in maximal einer Stunde praxisbezogene Fälle oder Aufgaben.

 

Der mündliche Teil besteht aus den Prüfungsbereichen Kundenberatungsgespräch und fallbezogenes Fachgespräch, wobei den Aufgaben jeweils eine der beiden Wahlqualifikationseinheiten zugrunde liegt.

Im Prüfungsbereich Kundengespräch sollen die Auszubildenden in einem höchstens 20-minütigen Beratungsgespräch zu einer selbstgestellten Aufgabe aus den produktbezogenen betrieblichen Ausbildungsschwerpunkten zeigen, dass sie Kundengespräche situationsbezogen vorbereiten, verkaufsorientiert führen und auf Kundenargumente angemessen reagieren können.

Im Prüfungsbereich fallbezogenes Fachgespräch beträgt die maximale Prüfungsdauer 15 Minuten. Hier sollen die Prüfungsteilnehmer zeigen, dass sie komplexe Aufgaben bearbeiten, ihre Vorgehensweise begründen, Problemlösungen in der Praxis erarbeiten, Hintergründe und Schnittstellen erläutern und Ergebnisse bewerten können. Als Grundlage für das fallbezogene Fachgespräch erstellen sie vor Prüfungsdurchführung für jede der beiden gewählten Wahlqualifikationseinheiten über die Durchführung einer betrieblichen Fachaufgabe einen höchstens dreiseitigen Report, der die Aufgabenstellung, die Planungs- und Durchführungsphase sowie eine Auswertung beinhaltet.

Bei nicht eindeutigen Prüfungsergebnissen in der schriftlichen Prüfung kann eine zusätzliche mündliche Prüfung durchgeführt werden.


Ausbildungsform
Beim Ausbildungsberuf Kaufmann für Versicherungen und Finanzen der Fachrichtung Versicherung handelt es sich um eine duale Ausbildung, die im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule stattfindet.



Aktuelle Abschluss-/Berufsbezeichnung
Kaufmann für Versicherungen und Finanzen - Fachrichtung Versicherung (Ausbildungsberuf seit 2006)

 

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